Was ist der gleitende Durchschnittspreis und wie wird er berechnet?
Der gleitende Durchschnittspreis (auch gewichtete Durchschnittskosten genannt) ist ein Verfahren zur Bestandsbewertung, das den Einkaufspreis pro Stück nach jedem neuen Wareneingang im Verhältnis zu den jeweiligen Mengen neu berechnet. Bei schwankenden Lieferantenpreisen liefert er realistische Stückkosten, ohne dass einzelne Chargen getrennt verfolgt werden müssen.
Gleitender Durchschnittspreis = (aktueller Bestandswert + neuer Einkaufswert) ÷ (aktuelle Menge + neue Einkaufsmenge). Mit jedem bewerteten Wareneingang passt sich der durchschnittliche Einstandspreis pro Einheit automatisch an.
Formel und Ablauf bei einem neuen Wareneingang
Sobald Sie eine Eingangsrechnung oder einen Lagerzugang mit Einkaufspreis erfassen, wird der Gesamtwert des vorhandenen Bestands mit dem Einkaufswert der neuen Lieferung addiert und durch die neue Gesamtmenge geteilt. Ein Verkauf verändert den Stückpreis nicht, sondern reduziert lediglich Menge und Gesamtwert zum aktuellen Durchschnittspreis.
Für eine saubere Bewertung müssen alle Einkäufe in derselben Mengeneinheit und zu Nettokosten (nach Abzug von Rabatten, ohne Umsatzsteuer) in der jeweiligen Unternehmenswährung angesetzt werden.
- Aktueller Bestandswert: vorhandene Lagermenge × bisheriger gleitender Durchschnittspreis
- Neuer Einkaufswert: neu eingekaufte Menge × neuer Netto-Einkaufspreis pro Einheit
- Neuer Durchschnittspreis: (aktueller Bestandswert + neuer Einkaufswert) ÷ (vorhandene Menge + neue Menge)
Unterschied zum einfachen Mittelwert
Ein einfacher Mittelwert addiert lediglich zwei Preise und teilt sie durch zwei, unabhängig davon, wie viele Stück jeweils gekauft wurden. Der gewichtete Durchschnitt berücksichtigt dagegen das Mengenverhältnis, sodass ein Großeinkauf zu höheren Preisen stärker ins Gewicht fällt als ein kleiner Nachkauf.
Liegen 10 Stück zu je 100 auf Lager und Sie kaufen 30 Stück zu je 140 nach, ergäbe das einfache Mittel fälschlich 120. Der gleitende Durchschnitt berechnet korrekt (1.000 + 4.200) ÷ 40 = 130 pro Stück und schützt Sie vor zu knapp kalkulierten Verkaufspreisen.
Wie GiroPS den gleitenden Durchschnittspreis nutzt
GiroPS verwendet für den Lagerwert und den Wareneinsatz in der Gewinn- und Verlustrechnung durchgängig den gleitenden Durchschnittspreis (kein FIFO-Verfahren). Jede Eingangsrechnung aktualisiert den durchschnittlichen Einstandspreis des Artikels automatisch.
Der im Bestandsbericht und in der Geschäftsübersicht ausgewiesene Lagerwert ergibt sich aus dem positiven Bestand bestandsgeführter Artikel multipliziert mit ihrem aktuellen Durchschnittspreis.
Praxisbeispiel
Beispiel: zwei Einkäufe zu unterschiedlichen Preisen
Ein Werkzeughändler hat 10 Bohrersets zu je 100 auf Lager (Bestandswert = 10 × 100 = 1.000). Nach einer Preiserhöhung des Großhändlers kauft er weitere 10 Sets zu je 140 ein (Einkaufswert = 10 × 140 = 1.400). Der neue Gesamtwert beträgt 1.000 + 1.400 = 2.400 bei einer Gesamtmenge von 10 + 10 = 20 Sets. Der neue gleitende Durchschnittspreis liegt bei 2.400 ÷ 20 = 120 pro Set. Hätte der Händler beim zweiten Mal 30 Sets zu 140 gekauft (4.200), läge der Durchschnittspreis bei 5.200 ÷ 40 = 130 pro Set.
Häufig gestellte Fragen
Ändert sich der Durchschnittspreis, wenn ich Ware verkaufe?
Nein. Beim Verkauf wird der Artikel zum aktuellen gleitenden Durchschnittspreis ausgebucht, um den Rohertrag zu berechnen. Der Stückkostensatz der verbleibenden Ware ändert sich erst beim nächsten Einkauf.
Warum wird der gleitende Durchschnitt statt FIFO verwendet?
Im Handelsalltag liegen identische Artikel gemeinsam im selben Fach, ohne dass beim Verkauf nachgehalten wird, aus welcher Lieferung das einzelne Stück stammt. Der Durchschnittspreis liefert ohne Chargenaufwand verlässliche Zahlen.
Was passiert, wenn ein Lagerzugang ohne Einkaufspreis gebucht wird?
Fehlende Einkaufspreise verzerren die Bestandsbewertung und die Gewinnermittlung. Erfassen Sie bei Wareneingängen immer die tatsächlichen Einkaufspreise, damit Bestandsbericht und Gewinn- und Verlustrechnung stimmen.